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3. Der Kautschuk
kommt nach Europa
Die ersten grösseren Mengen Kautschuk erschienen in Europa mit der Entwicklung des Handels zwischen Parà (heute Belèm) und Portugal.
1759 sandte die Regierung von Parà eine Ladung
Kautschuk an den König von Portugal, die bei den Wissenschaftlern ein bedeutendes
Interesse auslösten. Es bestand aber vorerst noch ein besonderes Problem. Der Latex
konnte nämlich nicht in beliebiger Form transportiert werden. Die flüssige Gummimilch
geht nämlich, sich selbst überlassen, rasch in Gärung über und koaliert (gerinnt) sehr
bald. Es konnte nur die koalugierte Rohmasse nach Europa gesandt werden, die aber in
dieser Form kaum eine Verwendungsmöglichkeit bot, da der Kautschuk nicht mehr verformt
werden konnte.
Um die Verarbeitungsverfahren der Eingeborenen, die sich des Frischlatex bedienten, nachzuahmen, war es notwendig, ein Lösungsmittel ausfindig zu machen, nach dessen Verdunsten der Kautschuk seine ursprünglichen Eigenschaften wieder zurückerhält. Zunächst gelang es, die flüssige Kautschukmilch mittels Zusatz von Alkali haltbar zu machen. Man gab dies jedoch bald wieder auf, da es sich als unwirtschaftlich erwies, eine unverhältnismässig grosse Totlast mitzubefördern. (Kautschukmilch besteht zu 60% aus Wasser, heute wird sie daher zentrifugiert.)
1761 entdeckten jedoch schliesslich zwei französische Chemiker in Terpentin und Äther ein Lösungsmittel für geronnene Kautschukmilch. Aus dieser Lösung liessen sich mit Hilfe der schon bekannten Formtechnik wieder Kautschukgegenstände fertigen, indem man das Lösungsmittel verdunsten liess.
Ein Aufschwung des Kautschuks entwickelte sich jedoch nicht dadurch. Da die Gegenstände aus Kautschuk sehr rasch alterten. Bei Einwirkung von Hitze wurden sie klebrig und von Kälte brüchig.
Eine besondere Eigenschaft des Kautschuks, durch seine hohe Abreibefähigkeit, Bleistiftstriche vom Papier zu entfernen, ohne dieses zu beschädigen, wurde 1770 zufällig vom englischen Mechaniker Nairne entdeckt. Kaum zwei Jahre später wurden auch schon kleine Kautschukwürfel in London und Paris als Radiergummis verkauft. Aus dieser Zeit stammt die, im englischen Sprachraum eingeführte Bezeichnung "rubber" für Kautschuk/Gummi. Dieser Ausdruck soll von dem bekannten englischen Chemiker Priestley stammen, der ebenfalls 1770 von dieser neuen Eigenschaft des Kautschuks berichtete.
1791 wurde von Samuel Peal ein Verfahren patentiert, in dem Kautschuk, der in Terpentin gelöst war, zur Herstellung von wasserdichtem gummierten Gewebe verwendet wurde. Aber trotz dieser an Peal erteilten Patente nahm die Fabrikation wasserdichter Gewebe erst 1823 einen gewissen Umfang an, als MacIntosh das wesentlich billigere Naphta als Lösungsmittel verwandte.
Formtechnik:
Die Maya-indianer überzogen z.Bsp. irdene Flaschen mit Kautschuk. Sobald er fest geworden
war, zerschlugen Sie die Form, entfernten sie durch den Flaschenhals und erhielten so
leichte, unzerbrechliche Flaschen.![]()