Es war wirklich ein glücklicher Umstand, dass die Plantagen-Kautschukerzeugung in dem Augenblick anzulaufen begann, als die Massenproduktion von Automobilen einsetzte. Hatten schon die Vorkriegsjahre den asiatischen Plantagen einen gewaltigen Aufschwung gebracht, so nahm diese Aufwärtsentwicklung während des ersten Weltkrieges Formen an, wie sie bei noch keinem anderen Naturprodukt beobachtet worden waren.
Die Rezession von 1911 war schnell vergessen und die äusserst günstige Marktlage ermunterte die Pflanzer zu ausgedehnten Neuanlagen von Plantagen. Während eines Zeitraumes von 4 Jahren (1914 - 1918) stieg die, unter Kultur befindliche Fläche von 800'000 auf 1'400'000 Hektar an.
Nach Beendigung des Krieges gerieten die Plantagen erneut in eine Krise. Die Hoffnung der Pflanzer, dass in einer Zeit des allgemeinen Wiederaufbaues der Wirtschaft ein neuer Ansturm auf Kautschuk einsetzen würde, erfüllte sich nämlich nicht. Die europäische Industrie lag nach dem Kriege brach und ihr geringer Bedarf war rasch gedeckt. Russland schied vom Weltmarkt für mehrere Jahre ganz aus, und der, für den Kautschuk bedeutsamste Abnehmer, die USA, hatten nicht nur bis zu seinem Kriegseintritt im Jahre 1917 ihren Bedarf gedeckt, sondern davon auch noch Heereslieferungen an die Aliierten durchgeführt.
Die Kautschukpreise fielen rapide und verzeichneten 1922 einen neuen Tiefstand von 250 Mark für 100 Kilogramm Kautschuk.
Grossbritanien, das sich mit den Niederlanden das Kautschuk-Monopol teilte, bemühte sich, die Preise wieder zu heben und führte 1922 den Stevensonplan durch, der das Produktions- und Exportkontingent jedes einzelnen Pflanzungsunternehmers festlegte. Die Kautschukerzeugung jeder Plantage wurde auf eine bestimmte Quote festgelegt. EIn höherer Export wurde durch eine unübersteigbare Zollmauer zurückgehalten. Für's erste war die Aktion durchaus erfolgreich. Die Ausfuhr nahm ab und die Preise zogen an.
Nach gutem Anlaufen des Planes bis 1925/26 konnte er nur unter Schwierigkeiten erhalten werden, weil 40% der Kautschukproduzenten, vorallem die Niederländer, ihre Mitarbeit verweigerten. Sie benutzten die Einschränkungen, die sich die Engländer auferlegt hatte, um ihre eigenen Plantagen auszuweiten.
Durch diese Produktionsausweitungen und den Hinzutritt neuer Erzeuger von Plantagenkautschuk (Indochina, Siam) kam es zu einem neuerlichen Preissturz. Dieser wurde zudem durch die Wirtschaftskrise, die Amerika 1929 erschütterte, beschleunigt.
Die Krise führte zu einer Verständigung zwischen England udn den Niederländern. 1934 wurde ein Kautschukmonopol errichtet, dem die Restriktionsländer Malaysia, Niederländisch-Indien, Nordborneo, Ceylon, Indochina, Siam, Burma, Britisch-Indien und Sarawak angehörten. Die Ausfuhrkontingente der einzelnen Länder wurde durch das, dazu gegründete International Rubber Regulation Committee (IRRC), festgelegt und die Anlagen und Vergrösserungen von Pflanzungen kontrolliert. Die Ausfuhr von Pflanzen wurde nur inerhalb der Restriktionsländern erlaubt, um die Anlage neuer Kautschuk-Plantagengebiete zu verhindern.
Die Kautschukabnehmer und vorallem der Hauptabnehmer Amerika waren nicht gewillt, sich dem englisch-niederländischen Monopol unterzuordnen. Die Notwendigkeit einer direkten Beteiligung an der Kautschukerzeugung war schon nach dem ersten Weltkrieg erkannt worden. Die USA versuchten auch sofort die, zu dieser Zeit gerade herrschende Krise bei den Kautschukplantagen für sich auszunützen, indem sie Plantagen, vorallem in Niederländisch-Indien, zu günstigen Bedingungen aufkaufte. Die holländische Regierung durchschaute allerdings das amerikanische Manöver und erschwerte den Erwerb von Plantagen und dafür geeigneter Länderein derart, dass es für die Amerikaner praktisch unmöglich wurde, in ihren Besitz zu gelangen.
Nachdem der Erwerb von fremdem Boden gescheitert war, wandten sich die USA ihren Kolonien und anderen wirtschaftlich abhängigen Gebieten zu. Vor allem auch durch den Restriktionsplan von Stevenson verärgert, gegen den Amerika schärfsten protestiert hatte, machte man sich in den USA umso fester an die Aufgabe, eigene Plantagen zu errichten.
Im Jahre 1927 machten zwei amerikanische Automobil-Industriekonzerne den Anfang. Ford legte am Rio Tapajotz (Nebenfluss des Amazonas) in Brasilien zwei riesige Pflanzungen an und Firestone in Sumatra, der Malaiischen Halbinsel und vorallem auch in Liberien. Die Unternehmen Fords und Firestone scheiterten jedoch am sinkenden Kautschukpreis und am Mangel an Arbeitskräften.
Neben den Vereinigten Staaten haben auch andere Länder Kautschukplantagen angelegt. Frankreich war in der glücklichen Lage, fast seinen gesamten Kautschukbedarf aus seinen Kolonien zu decken. Belgien brachte seit 1927 aus seinen Kongo-Kolonien Plantagenkautschuk auf den Markt. Japan und Italien erwarben eigene Kolonien.
Alle Kautschukverbrauchenden Staaten strebten danach, sich eigene Plantagen zu verschaffen. Trotz allem war es jedoch nicht möglich, die durch den Vertrag von 1934 erstarkten Engländer und Niederländer um ihre Vormachtstellung zu bringen. Nach dem Abkommen von 1934 festigte sich der Kautschukmarkt allmählich und die Preise stiegen wieder auf normale Werte.
Erst nach dem zweiten Weltkrieg sollten jedoch
England und die Niederlande ihr Monopol verlieren - auf der einen Seite verloren sie nach
und nach ihre Kautschukgebiete und andererseits sollte der asiatische Raum, bzw. der
Plantagenkautschuk überhaupt seine Vormachtstellung einbüssen - durch ein künstliches
Produkt: den synthetischen Kautschuk!![]()